Die Rückkehr zur Wandtapete

The return to the Wall WallpaperManchmal wünschen wir uns eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert machen zu können und die “türkischen Tapeten” betrachten zu können. Diese waren prächtige Wandbehänge, die man vor allem in Palästen und bei reichen Bürgern zu sehen bekam. Und in China gab es wundervoll gemalte Papiertapeten, die wir gerne gesehen hätten. Selbst in unserem Jahrhundert gab es in den 70er Jahren eine Phase, in der es unseren Eltern gar nicht bunt genug sein konnte. Doch dann kam eine lange Phase der Depression: Alles wurde weiß, die Raufaser hielt Einzug, und Aquarell war der kräftigste akzeptierte Farbausdruck. Umso mehr erfreut sind wir heute darüber, dass die Tapeten wieder zurückkommen und in manchen Bereichen – in den USA zum Beispiel – sich erst richtig verbreiten können. Zu lange haben wir in einer Umgebung gelebt, die nüchtern und kalt war und in der man schon als Kreativer galt, wenn man eine Wand in bordeauxrot gestrichen hat. Heute kehren wir endlich zurück zur Tapete. Sie vermittelt einerseits ein Gefühl von Behaglichkeit und Wärme, andererseits ist sie auch Ausdruck der Persönlichkeit der Bewohner eines Hauses oder eine Wohnung. Es hat auch ein psychologisches Element: Wer zur Miete wohnt, hat bei der Auswahl der Tapete das Gefühl, dass es sich hier trotzdem um das eigene Heim handelt, weil man eben auch Teile des Bauwerkes nach seinem eigenen Geschmack gestalten kann.

Mit dem Aufkommen des Digitaldrucks machten zunächst die Fototapeten den Versuch, das Diktat der Raufaser zu brechen. Das gelang aber nur hier und da. Erst mit einem allgemeinen Bewusstsein für die Gestaltung einer Wohnung oder eines Hauses über die Möbel hinaus haben wir auch begonnen, uns Gedanken über die Gestaltung (und nicht nur die Farbe) der Wände zu machen. Tapeten sind einfach auch selbst anzubringen und wieder abzuziehen und oft kostengünstig, vor allem wenn man sich vor Augen führt, welche Lebensqualität man dafür bekommt. Und so, wie man irgendwann ein neues Sofa oder andere Vorhänge haben will, überlegen sich heute Familien, welche Tapete die nächste sein könnte.